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Die GML stand in diesem Jahr unter dem Motto E-Kooperation und E-Praxis. Im Fokus standen Vorträge zu innovativen Ideen und Anwendungen der modernen Internettechnologien (Stichwort Web 2.0), die die Kooperation zwischen verschiedenen Institutionen, Wissenschaftlern und mit der Wirtschaft erleichtern. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Anwendung von Technologien für effektive und innovative Lehre an der Hochschule.

Die Diskussionen während der Tagung setzten sich auch kritisch mit der Zukunft und der Entwicklungsperspektiven des e-Learning. Es scheint kein Konsens zur Frage „Was heißt e-Learning?“ zu bestehen. Gerade in Verwaltungskontexten wird damit oft lediglich die Verwaltung von Studierenden gemeint.  Andere verstehen schon unter der bloßen Bereitstellung von elektronischen Dokumenten e-Learning. Vielmehr sollte  e-Learning aber ein Prozess sein, der Lernprozesse anstößt, die ohne Computertechnik nicht möglich wären. Der allgemeine Trend zeigt, dass e-Learning in der Hochschullehre, gerade in Massenveranstaltungen, die Studierenden in ihrem Lernprozess aktivieren kann. Beispiele dafür sind etwa:

  • elektronisch bereitgestellte Lektionen, die Vorlesungsinhalte ergänzen,
  • elektronische Video-Aufzeichnungen der Vorlesung für die Nachbereitung
  • Online-Tests, mit denen die Studierende ihren Lernerfolg überprüfen können.

Der neue Trend der letzten Jahre ist die Einbindung von Web2.0-Technologien, die es Lernenden ermöglicht, selbst und in Kooperation Inhalte zu erstellen. Beispiele hierfür sind kollaborative Wikis und Blogs.

Eine weitere diskutierte Frage ist, inwieweit e-Learning nicht auch auf dezidierte, pädagogische Konzepte zurückgreifen sollte. In dieser Frage zeigt sich, dass die e-Learning Community noch immer zwischen Pädagogen und Informatikern gespalten ist: übergreifende, gemeinschaftliche Projekte werden selten entwickelt.

Im Folgenden einige exemplarische Projekte. Diese Zusammenstellung ist lediglich eine Auswahl. Sie gliedert sich in verschiedene Anwendungsbereiche. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Techniken, die multimediales Lehren und Lernen sowie Kollaboration erleichtern.

Lehre

Am Osnabrücker Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre wurden verschiedene Software-Tools entwickelt, die den Hochschullehrer bei der multimedialen Gestaltung von Lehrveranstaltungen (hier besonders Vorlesungen) unterstützen.

  • media2mult ist ein Publikationstool, dass die Erstellung von Webseiten und Vorlesungsskripten aus einer Datei ermöglicht. Das Pflegen mehrerer Versionen entfällt. Das Tool basiert auf einer leicht zu erlernenden Wiki-Syntax und läuft auf einem Server. Der Autor benutzt es also über den Webbrowser und kann lokale Dateien auf den Server laden, um sie dann automatisiert in die Web- und Printversion des Dokumentes einzubinden.
  • virtpresenter ist ein Tool, dass die Erstellung von Video-Mitschnitten von Vorlesungen automatisiert. Das System verarbeitet die aufgenommenen Dateien und stellt sie dann als Webseite zur Verfügung. Die Mediadaten können dann ohne viel Aufwand in iTunesU oder Facebook integriert werden. Inzwischen wird das Tool im Projekt Matterhorn weiterentwickelt.
  • classroomquiz erlaubt in großen Lehrveranstaltungen, Feedback von Studierenden während der Lehrveranstaltung einzuholen. Dies gelingt mit Hilfe eines PowerPoint Plugins, dass Bewertungen sammelt, die die Studierenden via Bluetooth von ihrem Mobiltelefon aus abgeben. Dazu müssen die Studierenden einmalig eine Software auf ihrem Mobiltelefon installieren.

Aus einem EU-Projekt entstanden ist Methopedia, eine Sammlung von didaktischen Methoden und Instrumenten, die auf dem Wiki-Prinzip aufbaut. Die Sammlung umfasst vielfältige pädagogische Anwendungen, die für die Anwendung in Universitäten getestet wurden. Die Methopedia kann zahlreiche Anregungen, besonders für Seminare, geben. Über den zusätzlich zur Verfügung gestellten Seminar Designer, der mit der Methopedia verbunden ist, lassen sich auch ganze Seminareinheiten übersichtlich planen und exportieren.

Die Telerrat GmbH bietet für das kommerziellen Programm Questionmark eine “no hassle” Lösung für computergestützte Tests und Prüfungen an. Das System kann für kleinere Wissenstests online genutzt werden. Ebenso können mit ihm aber auch – in kontrollierten Umgebungen – elektronische Prüfungen durchgeführt werden. Sicherlich funktioniert ein solches System besonders da, wo eine große Zahl geschlossener Fragen geprüft werden soll.

Kooperation

Slideshare ist das Youtube für PowerPoint-Präsentationen. Nach dem Hochladen können die Folien der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden, oder aber nur für einen begrenzten Nutzerraum freigegeben werden. Der Vorteil ist, dass alle Präsentationen von einem Forscher im Channel verlinkt werden und dass thematische Bezüge zu anderen Präsentationen automatisch hergestellt werden.

Wikis werden immer mehr zu Werkzeugen der Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Kontext. Sie können nicht nur als Wissensspeicher für Lexika dienen, sondern werden auch mehr und mehr ein Tool für gemeinschaftliches Schreiben und Publizieren.

Ebenso lohnt ein Blick auf die Webseiten von iversity, ein Portal, dass zahlreiche der oben angesprochenen Kollaborationstools auf einer Plattform vereint. Neben Werkzeugen zur Seminarorganisaion, überzeugen vor allem die Tools für die Zusammenarbeit in Arbeitsgruppen – zum Beispiel für gemeinsame Publikationsprojekte oder Materialsammlungen.

Abschließend sei auf die Plattform e-teaching.org hingewiesen. Hier findet sich fundiertes Wissen und Anwendungsbeispiele für die inzwischen mehr als vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von computerunterstütztem Lernen.

PS: Was neben der Technik noch gerade „hot“ ist: EDUPUNK

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Tobias Weise


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Tobias Weise

political scientist, university administration specialist

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